Nach ÁNYK: Vorbereitung auf die nächste Phase der digitalen Besteuerung

Autor: Csaba Baldauf, Partner von HLB Ungarn
27. Oktober 2026
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Die Abschaffung des Allgemeinen Formularausfüllprogramms (ÁNYK) hat sich in den vergangenen Monaten zu einem der meistdiskutierten Themen der ungarischen Steuerpraxis entwickelt. Auch wenn die jüngste Mitteilung der ungarischen Steuerbehörde NAV auf einen schrittweiseren Übergang als ursprünglich geplant hindeutet, bleibt die zentrale Botschaft für Unternehmen unverändert: Die Digitalisierung des ungarischen Steuerwesens schreitet weiter voran, und ÁNYK wird langfristig in jedem Fall durch modernere Lösungen ersetzt werden.

Nicht der Stichtag ist entscheidend, sondern die Richtung

Für viele Unternehmen dürfte es eine beruhigende Nachricht sein, dass die NAV auf Grundlage der Rückmeldungen aus der Praxis ÁNYK nicht zu einem einzigen Zeitpunkt, sondern schrittweise abschaffen würde. Nach den derzeitigen Vorstellungen würden zunächst die größten Unternehmen verpflichtend auf das e-Umsatzsteuer-System umstellen, und zwar entweder auf die Weboberfläche der e-Umsatzsteuer oder auf die M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine), während kleinere Steuerpflichtige mehr Zeit für die Vorbereitung erhalten könnten.

Die regulatorische Richtung hat sich jedoch nicht geändert.

Steuerbehörden weltweit bewegen sich zunehmend in Richtung eines datengetriebenen Betriebsmodells. Die traditionellen, dokumentenbasierten Steuererklärungsprozesse werden schrittweise durch Systeme ersetzt, die auf strukturierten Datenverbindungen, automatisierten Kontrollen und Echtzeit-Datenverarbeitung beruhen.

Aus dieser Perspektive ist die Abschaffung von ÁNYK nicht allein als Einzelereignis von Bedeutung. Vielmehr stellt sie einen weiteren Meilenstein in einem Prozess dar, der das Steuerwesen immer enger mit den IT- und Finanzsystemen der Unternehmen verknüpft.

Warum stellt dies Unternehmen vor Herausforderungen?

Früher war die Erstellung von Steuererklärungen typischerweise ein eigenständiger Prozess. Die erforderlichen Daten wurden aus verschiedenen Systemen zusammengetragen, geprüft und anschließend manuell oder teilautomatisiert für die Erstellung und Einreichung der Steuererklärungen verwendet.

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung stammen steuerrelevante Daten heute jedoch aus nahezu allen Bereichen der Unternehmensorganisation:

•  aus ERP-Systemen,
•  aus Fakturierungs- und Rechnungssystemen,
•  aus Einkaufs- und Vertriebsprozessen,
•  aus Logistiksystemen,
•  aus Finanz- und Buchhaltungsaufzeichnungen.

Dies bedeutet, dass die Qualität der steuerlichen Compliance zunehmend von der Qualität der zugrunde liegenden Daten sowie von der Zuverlässigkeit der Prozesse abhängt, die diese Daten verwalten.

Deshalb ist der Übergang in die Zeit nach ÁNYK nicht lediglich ein technologisches Projekt, sondern zugleich eine Frage der Datenqualität, des Prozessmanagements und der internen Kontrollsysteme.

Welche Möglichkeiten stehen Unternehmen zur Verfügung?

Nach der Abschaffung von ÁNYK wird die Steuerbehörde Steuererklärungen und Formulare ausschließlich über die folgenden elektronischen Plattformen entgegennehmen:

•  die 2018 eingeführte ONYA (Online Nyomtatványkitöltő Alkalmazás), die derzeit für die Einreichung von mehr als 150 Formularen geeignet ist, unter anderem für Verbrauchsteuererklärungen und Voranmeldungen zur globalen Mindeststeuer;
•  das 2017 eingeführte e-Einkommensteuer-System;
•  die seit 2024 verfügbare Weboberfläche der e-Umsatzsteuer;
•  sowie die im Oktober 2024 eingeführte M2M-e-Umsatzsteuererklärung, die einen höheren Automatisierungsgrad ermöglicht.

Über die M2M-e-Umsatzsteuererklärung hinaus plant die NAV auch die Einführung einer allgemeinen M2M-Belegübermittlungsanwendung, die die Übermittlung von Steuererklärungen über eine Machine-to-Machine-Verbindung ermöglichen soll. Die Entwicklung dieses Systems läuft derzeit noch. Nach Angaben der NAV soll das System schrittweise die Einreichung und Verarbeitung einer zunehmenden Zahl von Formularen unterstützen.

Welche Lösung ist für wen ideal?

Unter den von der NAV vorgesehenen zukünftigen Lösungen stellen ONYA und die Weboberfläche der e-Umsatzsteuer in erster Linie Alternativen für kleinere Unternehmen mit geringem Transaktionsvolumen dar.

Ähnlich wie das eSZJA-System erstellt die Weboberfläche der e-Umsatzsteuer auf Grundlage der der NAV zur Verfügung stehenden Daten, etwa aus dem Online-Rechnungssystem, den Online-Kassensystemen, den Zolldaten und den Stammdaten, einen Entwurf der Umsatzsteuererklärung. Diesen Entwurf kann der Steuerpflichtige genehmigen, ergänzen oder ändern, beispielsweise um innergemeinschaftliche Eingangsumsätze.

Dies bedeutet deutlich weniger Verwaltungsaufwand, Datenerhebung und manuelle Arbeit als die Formularerstellung in ÁNYK und erfordert zugleich weniger Vorbereitungsaufwand als eine M2M-Umsatzsteuererklärung.

Bei größeren und komplexer aufgestellten Unternehmen ergeben sich jedoch andere Anforderungen. Ein internationales Unternehmen verarbeitet häufig mehrere Tausend oder sogar Zehntausende von Transaktionen pro Monat, nutzt parallel mehrere ERP-Systeme und wendet zahlreiche Korrektur- oder Spezialregelungen im Umsatzsteuerbereich an.

In solchen Fällen kann die Prüfung des über die Weboberfläche bereitgestellten Steuererklärungsentwurfs sehr zeitaufwendig sein. Zudem können bestimmte Informationen fehlen, etwa Daten über innergemeinschaftliche Wareneinkäufe oder den Bezug innergemeinschaftlicher Dienstleistungen, da diese Informationen der NAV nicht vorliegen.

Für diese Unternehmen stellt die M2M-Umsatzsteuererklärung die geeignete Lösung dar.

Eine gut entwickelte M2M-Lösung kann den Umsatzsteuererklärungsprozess individuell und weitgehend automatisiert abbilden, sodass sämtliche für eine vollständige Umsatzsteuererklärung erforderlichen Daten, darunter auch Informationen über grenzüberschreitende Transaktionen, in den automatisierten Prozess integriert werden können. Dazu wird auf Basis einer vorab definierten Struktur eine Umsatzsteuer-Analytik erstellt; die daraus erzeugte XML-Datei wird anschließend an die NAV übermittelt. Die Steuerbehörde validiert diese Daten.

Der Kern des M2M-Ansatzes besteht darin, dass die Systeme des Unternehmens direkt mit den Systemen der NAV kommunizieren. Dadurch können manuelle Datenbewegungen erheblich reduziert, der Erklärungsprozess vereinfacht und die Risiken menschlicher Fehler minimiert werden.

Welche Fragen sollten Unternehmen jetzt stellen?

Die Erfahrungen zeigen, dass der Erfolg einer digitalen Steuertransformation nicht allein von technischen Entwicklungen abhängt. Unternehmen sollten auch folgende Fragen prüfen:

•  Aus welchen Systemen stammen die steuerrelevanten Daten?
•  Ist die Qualität dieser Daten ausreichend?
•  Wie werden Kontrollen derzeit durchgeführt?
•  Wer trägt die Verantwortung für die einzelnen Prozessschritte?
•  Welche Genehmigungsmechanismen bestehen?
•  Wie sind steuerliche, finanzielle und IT-bezogene Prozesse miteinander verknüpft?

Aus Managementsicht lautet die zentrale Frage daher nicht lediglich, wodurch ÁNYK ersetzt werden soll. Die eigentliche Frage ist, wie gut sich die neue Lösung in die Unternehmensabläufe, die ERP-Landschaft, die steuerlichen Prozesse und die organisatorischen Verantwortlichkeiten integrieren lässt.

Die längere Vorbereitungszeit ist auch eine Chance

Der von der NAV skizzierte neue Zeitplan kann für Unternehmen eine spürbare Erleichterung darstellen. Die zusätzliche Zeit sollte jedoch nicht für passives Abwarten genutzt werden.

Organisationen, die bereits jetzt mit der Überprüfung ihrer Prozesse, der Strukturierung ihrer Datenbestände und der Planung ihres zukünftigen digitalen Betriebsmodells beginnen, werden sich voraussichtlich deutlich reibungsloser an die neuen Anforderungen anpassen können.

Letztlich geht es bei der Diskussion über die Abschaffung von ÁNYK nicht um die Zukunft eines Formularausfüllprogramms. Vielmehr stellt sich die Frage, wie sich Unternehmen auf ein steuerliches Umfeld vorbereiten, in dem Automatisierung, digitale Datenverbindungen und strukturierte Kontrollprozesse zunehmend zum festen Bestandteil des operativen Geschäfts werden. Im Umfeld großer Unternehmen spricht vieles dafür, dass M2M-basierte Lösungen die natürliche Grundlage dieses zukünftigen Betriebsmodells bilden werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und ist nicht geeignet, eine Beratung im Einzelfall zu ersetzen.

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